Orgel: Unbekannt, 1681; seit 1767/68 in Schliprüthen.
Umbau: Anton Fischer (Beckum), 1864.

Die Orgel in der kleinen spätromanischen Dorfkirche zu Schliprüthen gehört zu den wertvollsten und am besten restaurierten historischen Orgeln im Kreis Olpe. Jedoch ist weder über den Erbauer noch den Herkunftsort Genaues bekannt, denn die Orgel wurde ursprünglich für eine andere Kirche gebaut. Auch über die Aufstellung in Schliprüthen gibt es unterschiedliche Angaben: Wenngleich es im Visitationsbericht des Dekanats Meschede 1799 heißt, in Schliprüthen sei keine Orgel vorhanden, geht aus einem Bericht des Vicarius Caspar Plecking vom 15. Januar 1800 hervor, dass die Orgel schon 1767/68 auf seine Veranlassung nach Schliprüthen gekommen sei. Die Kosten für die Anschaffung hatte Plecking selbst besorgt, unter anderem durch Spenden aus der Gemeinde; allerdings hatte er dazu offenbar auch eine bereits bestehende ältere Orgel (nicht einen Altar, wie in der Sekundärliteratur manchmal zu lesen ist) für 13 Rthl. nach Olpe verkauft – dabei handelt es sich möglicherweise um die kleine Orgel, von der in der Olper Kreuzkapelle heute noch das Gehäuse mit der Jahreszahl 1756 erhalten ist.
Die „neue“, d. h. größere, aber dennoch offenbar gebraucht von Plecking angeschaffte Orgel wurde laut Gehäuseinschrift 1681 fertiggestellt und bei der Umsetzung nach Schliprüthen umgebaut. Aufgrund der Gehäuseformen und der Disposition kann darauf geschlossen werden, dass die Orgel aus der Werkstatttradition Hermann Kröger (Nienburg/Weser) / Berendt Huß (Glückstadt) stammt und ursprünglich in Ostwestfalen stand. Die ursprüngliche Springlade wurde vermutlich bei der Übertragung nach Schliprüthen durch eine neue Schleiflade mit langer Oktave und dem Tonumfang C–c³ ersetzt. Dabei kam auch die Spielanlage von der Rückseite an die linke Gehäuseseite.
1864 führte der Orgelbauer Anton Fischer aus Beckum zusammen mit seinem Sohn August einen größeren Umbau durch. Er baute einen neuen Schöpfbalg im Unterbau des Gehäuses, das zu diesem Zweck auf beiden Seiten 28 cm verbreitert werden musste. Im Manual kam eine Gambe 8' an die Stelle der Trompete; diese wurde in das neue selbständige Pedal versetzt, das hinter dem Gehäuse Aufstellung fand; Clarinet 2' ist wahrscheinlich dem Diskant der Manualtrompete entnommen. Die Manuallade wurde komplett erneuert, dabei wurde das gesamte Pfeifenwerk einen Halbton nach oben versetzt, die unbesetzte Taste C wurde an c° gekoppelt. Der Erzählung nach ging der Schliprüthener Pfarrer eigens nach Werl, um im dortigen Franziskanerkloster den orgelversierten Pater Venatus zur Abnahme der Arbeiten nach Schliprüthen zu bestellen.
Nach ersten Renovierungsmaßnahmen durch Rudolf Mendel (Hoppecke) 1952 führte Orgelbaumeister Hans Peter Mebold aus Siegen in den Jahren 1988 bis 1991 eine sorgfältige Restaurierung des historischen Werks durch, bei der die Manualdisposition von 1681/1768 in Kombination mit der Pedalbesetzung von 1864 als Ausgangspunkt der Überlegungen genommen wurde.
Mit dem gegenüber modernen Orgeln kleineren Manual- und Pedalumfang und den geteilten Registern ist das konzertante Spiel auf der kleinen Orgel eine lohnende Herausforderung für alle Organisten. Eine große Klangfarbenvielfalt und eine herausragende Intonation sind nur zwei der Merkmale, die das Spielen und Hören der Schliprüthener Orgel zu einem besonderen Erlebnis machen.
MANUAL | C–c³
Praestant 4'
Gedackt 8'
Blockflöte 4'
Dolsflöte 4' Disk.
Sexquialtera 1 3/5' B/D
Quinte 3'
Waldflöte 2'
Octav 2'
Mixtur 3f. 1'
Trompet 8' B/D
Tremulant
Zimbelstern
PEDAL | C–dº
Subbaß 16'
Violon 8'
Posaune 8'
Clarinet 2'
Pedalkoppel
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Klaus Baulmann / Franz-Josef Huß, Historische Orgel Schliprüthen, Schliprüthen 1991 ⋄ Orgelakten im kath. Pfarrarchiv Schliprüthen ⋄ Gabriel Isenberg,
Orgeln im Kreis Olpe, Olpe 2018 ⋄ Eigener Befund.
Nr. 525 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 19.07.2017 in Vorbereitung auf ein Konzert gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 25.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
