Orgel: Anton Feith (Paderborn), 1932.

Bereits im 14. Jahrhundert bestand in Strücklingen, im etwas außerhalb gelegenen Utende, eine erste Kirche. Nachdem dieses Gotteshaus 1877 abgebrochen worden war, errichtete man im heutigen Ortskern zunächst eine Notkirche. Die heutige Pfarrkirche St. Georg, ein neugotischer Backsteinbau des Münsteraner Architekten Hilger Hertel d. J. („der Dom des Saterlandes“), entstand in den Jahren 1900/01. Ihre ursprüngliche Ausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Seit 2008 gehört Strücklingen zur fusionierten Pfarrei St. Jakobus Saterland.
Über möglicher Orgeln in der alten Utender Kirche gibt es keine Nachrichten. In der Notkirche wurde 1894 ein Teil der alten Orgel aus der Propsteikirche Vechta (Anton Franz Schmid, Quakenbrück 1817) aufgestellt – ein Werk mit 15 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Die Orgel wurde zunächst 1901 durch Bernhard Josef Kröger (Vechta) auch in die neue Kirche übertragen und dort auf 22 Register vervollständigt.
Eine neue Orgel erhielt der Strücklinger „Dom des Saterlandes“ 1932 durch die Orgelbauanstalt Anton Feith (Paderborn). Das rund 12.000 RM teure Werk verfügte über 16 klingende Register, ein Flötencornett (als Kombinationsregister) und eine Windabschwächung (sowie zwei weitere bereits vorgesehene Register) und wurde auf der Südempore (Epistelseite) aufgestellt, während der fahrbare Spieltisch auf der Nordempore seinen Platz hatte und über ein über das Gewölbe verlegtes Elektrokabel mit dem Orgelwerk verbunden war. Die Orgelweihe wurde am Sonntag, den 31. Januar 1932 gefeiert. Aus der alten Orgel wurden die Register Gambe, Aeoline und (teilweise) Oktave übernommen. Der Spieltisch war mit allen damals modernen Spielhilfen wie einer freien und mehreren festen Kombinationen, Rollschweller und Super- und Subkoppeln ausgestattet.
1980 wurde die Orgel durch die Nachfolgefirma Siegfried Sauer (Höxter-Ottbergen) umgebaut und auf nun 24 Register erweitert; die Disposition wurde obertonreicher gestaltet und ein neuer freistehender Spieltisch aufgestellt.
Da eine akustische Kontrolle zwischen Pfeifenwerk auf der Südempore und Organist und Chor auf der Nordempore sich immer als schwierig erwies, entschied man sich 2010 für die Installation einer digitalen Orgelkomponente. An die Spielanlage wurde über MIDI-Schnittstelle ein Expander (Modell SE-20) der Fa. Hoffrichter (Salzwedel) angeschlossen, der in sich eine eigene digitale Orgel darstellt und über zwei Lautsprecherboxen auf der Chor-Empore (Nordempore) ertönt. Neben der dadurch geschaffenen akustischen Nähe zwischen Orgelspiel und Chor ergab sich damit außerdem eine klangliche Erweiterung der Orgel. In den Manualwerken kann am Expander jeweils zwischen zwei verschiedenen Dispositionen gewhält werden, die zum einen eine barocke, zum anderen eine romantische Klangauswahl abbilden. Über Finetuning kann die digitale Komponente in der Tonhöhe an die Stimmung der Pfeifenorgel angepasst werden.
Pfeifenorgel (Feith 1932 / Sauer 1980):
I. HAUPTWERK | C–g³
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Rohrgedeckt 8'
Oktave 4'
Prinzipal 2'
Sesquialtera 2f. 2 2/3' + 1 3/5'
Mixtur 4-5f. 1 1/3'
Trompete 8'
Tremulant
Koppel II–I
II. SCHWELLWERK | C–g³
Doppelflöte 8'
Aeoline 8'
Prinzipal 4'
Pommer 4'
Nasat 2 2/3'
Schwiegel 2'
Sifflet 1'
Zymbel 3f. 2/3'
Oboe 8'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Holzflöte 8'
Choralbaß 4'
Mixtur 4f. 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8' [Transm. HW]
Koppel II–P
Koppel I–P
Zwei freie Kombinationen, freie Pedalkombination, Tutti, Einzelabsteller für gemischte Stimmen und Zungen.
Elektropneumatische Kegellade.
Der Hoffrichter-Expander SE-20 bietet für die beiden Manuale jeweils zwei verschiedene Dispositionen zur Wahl:
I. MANUAL | C–g³
Disposition A:
Prinzipal 8'
Doppelflöte 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Mixtur 4f.
Trompete 8'
Tremulant
Koppel II–I
Disposition B:
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Fl. harmonique 8'
Oktave 4'
Oktave 2'
Cornett 5f.
Fournitur 5f.
Trompete 16'
Tremulant
Koppel II–I
II. MANUAL | C–g³
Disposition C:
Gedackt 8'
Salizional 8'
Unda maris 8'
Spitzflöte 4'
Waldflöte 2'
Larigot 1 1/3'
Sesquialter 2f.
Zimbel 3f.
Vox humana 8'
Tremulant
Disposition D:
Traversflöte 16'
Geigenprinzipal 8'
Voix celeste 8'
Bordun 8'
Flöte 4'
Octavin 2'
Oboe 8'
Cromorne 8'
Vox humana 8'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Choralbaß 4'
Rauschpfeife 2f.
Posaune 16'
Trompete 8'
Koppel II–P
Koppel I–P
24 Speicherplätze, Lautstärkeregelung für die Einzelwerke, Temperierung und Mute Baß, Finetuning und Transposer.
Anbindung an den Spieltisch über MIDI-Schnittstelle.
Quellen und Literatur: F. Schild: Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Kath. Kirche im Oldenburger Land, 2011 (unveröff.), Nr. 156 ⋄
Orgelsachverständigen-Unterlagen des BMO Vechta ⋄ Frdl. Mitteilung des Organisten Manfred Pahlke ⋄ Eigener Befund.
Nr. 569 | Diese Orgel habe ich am 20.02.2021 besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 30.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
