Tamm

Ev. Bartholomäuskirche

Orgelharmonium im Chorraum

Orgel: Markus Lenter (Großsachsenheim), 2008.


© Gabriel Isenberg, 23.04.2014
© Gabriel Isenberg, 23.04.2014

Die Bartholomäuskirche in Tamm (Landkreis Ludwigsburg) wurde erstmals 1331 urkundlich erwähnt. Im Lauf der Jahrhunderte erfuhr sie zahlreiche Veränderungen; nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs zog sich der Wiederaufbau bis 1673 hin. Seit dem letzten großen Umbau im Jahr 1910 ist der Bau im Wesentlichen unverändert erhalten, die letzte umfassende Innenrenovierung erfolgte 1979/80. Mit ihrem markanten Erscheinungsbild als Chorturmkirche steht die Bartholomäuskirche noch heute innerhalb eines ummauerten Kirchhofs an der einst höchsten Stelle des Dorfes und gilt als architektonisches Meisterwerk der Spätgotik.
Die Orgelgeschichte der Kirche reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück: 1723 erhielt sie ihre erste Orgel, erbaut von Michel Schmal aus Heilbronn. Heute verfügt die Kirche über eine Walcker-Orgel von 1894, die 1980 erweitert wurde.
Im Chorraum steht auf einem fahrbaren Podest leihweise ein 2008 von Markus Lenter (Großsachsenheim) erbautes Orgelharmonium – eine seltene Verbindung von Orgel und Harmonium. In diesem Instrument wurde ein historischer Zungenstock von Francesco Bruni (Paris) aus dem Jahr 1857 verwendet. Sämtliche Zungen sind hier noch stehend eingebaut, was das Obertonspektrum anhebt. Gerade dieser lebendige, nicht vollkommen gleichmäßige Klang verleiht dem Instrument seinen besonderen Reiz.
Der Orgelteil auf dem II. Manual ist mit mechanischer Kegellade gebaut und umfasst vier Register. Er ist an das Harmonium ankoppelbar; zusätzlich ermöglicht eine Subkoppel II–I, auch den Orgelklang auf 16'-Basis zu setzen. Dank der mechanischen Kegellade kann die Artikulation sehr differenziert und mit äußerst weichem bis hin zu sehr prägnantem Tonansatz gestaltet werden; zugleich bleiben die Einzeltöne sehr prägnant.

Klanglich orientiert sich der Orgelteil nicht an einer strikt historischen Vorlage, sondern greift bewusst das farbenreiche Wesen des Harmoniums auf. Insgesamt verfügt das Instrument über acht Register, darunter vier Zungenstimmen, ergänzt durch einen Contrabass 16' (C–H) im Orgelteil sowie zwei halbe Schwebungsreihen im Diskant ab f¹ im Harmonium. Die bewusst begrenzte Größe des Instruments ergibt sich aus der Bauweise des Druckwindharmoniums, dessen Stimmtonhöhe klimabedingt konstant bleibt und nicht nachgestimmt werden kann. Der Orgelteil ist daher so konzipiert, dass er mit vertretbarem Aufwand nachstimmbar ist – vergleichbar mit der üblichen Zungenstimmung einer Orgel.

I. MANUAL: HARMONIUM | C–c4

B/D-Teilung e¹/f¹

0 Forte

1 Cor anglais / Flûte 8'

2 Bordun / Clarinett 16'

3 Clairon / Fifre 4'

4 Basson / Hautbois 8'

5 Harpe Eolienne 16' (nur Disk.)

6 Voix céleste 16' (mit 2', nur Disk.)

S Sourdine 8' (aus 1)

T Tremblant (aus 2)

E Expression

G als mittlere Talonnière

Koppel II-I

Subkoppel II-I

II. MANUAL: ORGEL | C–c4

B/D-Teilung e¹/f¹

Contrabass 16' (C–H durchschl. Zunge auf separater Lade)

Gedackt 8'

Quintatön 8'

Gamba 8'

Fugara 4'

Grand Jeu (Zug)

Generalschweller (Kniehebel)

Mechanische Kegellade.



Quellen und Literatur: Frdl. Mitteilung Markus Lenter ⋄ Eigener Befund.

Nr. 486 | Diese Orgel habe ich am 23.04.2014 im Rahmen meiner VOD-Ausbildung besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 31.01.2026.